14. Mai 2020

Rennradfahren ist keine Kunst, oder doch?

Nur Mut, du schaffst das auch.

By In SPORT Lesezeit: 8 Minuten

Immer wieder erreichen mich Direktnachrichten via Instagram, in denen ich von Frauen gefragt werde, wie sie den Einstieg in den Rennradsport schaffen. „Einfach mal machen und etwas mutig sein.“, scheint mir an dieser Stelle die falsche Antwort. Es braucht schon etwas mehr. Und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Oft lese oder höre ich: „XY hat gesagt, ich soll mir einfach mal ein Rad leihen und fahren. Also hab ich mir eine Short, ein Shirt, ein Paar Turnschuhe und einen Helm angezogen, und bin los. Eigentlich hätte es mir auch spass gemacht, aber ich habe jetzt nebst dem Muskelkater auch unsägliche Rückenschmerzen und noch viel schlimmer, meine Mumu ist wund und rot und ich kann kaum sitzen.“

„Hmmm ja“, denke ich dann, „kommt mir irgendwie bekannt vor.“ Denn, auch ich habe mal angefangen. 

Ganz grundsätzlich finde ich, gibt es gegen den Tipp „Einfach mal machen“, nichts einzuwenden. Allerdings und das macht meiner Erfahrung nach den Unterschied, spielt es schon eine Rolle, wie gut sich frau auf diese erste Ausfahrt vorbereitet. Deshalb habe ich ein paar Punkte zusammengetragen, die ich auch den Frauen immer rate, die sich über Social Media bei mir mit ihren Fragen melden. 

Rennrad fahren keine Kunst

#Tipp 1

Du brauchst für deine erste Ausfahrt keine hightech Bekleidung, aber eine gepolsterte Radhose sollte es schon sein. Und, ganz wichtig, unter der Radhose trägt frau keinen Slip!

#Tipp 2

Kauf dir auf keinen Fall das erstbeste Rad. Schon gar nicht, wenn du noch nie damit gefahren bist. Leih dir eines von einer Freundin, die in etwa deine Grösse hat oder erkundige dich in Radgeschäften in der Umgebung, ob Testräder zur Verfügung stehen.

#Tipp 3

Ein Rennrad ist am Anfang eine wacklige Angelegenheit. Die dünnen Reifen, der gebogene Lenker, alles ist etwas anders als auf dem Damenrad. Turnschuhe auf gewöhnlichen Pedalen reichen für die erste Ausfahrt vollkommen aus. Mit Klickpedalen zu fahren, kannst du später üben.

#Tipp 4

Ehe du dich in den Strassenverkehr wagst, empfehle ich dir ein paar Runden auf einem grossen Parkplatz zu fahren. Lerne das Lenken, das Schalten und das Bremsen abseits von fahrenden Autos, Motorrädern, LKWs und Bus oder Tram kennen. Mit Kieselsteinen oder Hütchen kannst du dir einen Parcours markieren, den du umfährst, um damit deine Lenk- und Fahrfertigkeiten zu trainieren.

#Tipp 5

Hat das Fahren auf dem Parkplatz gut geklappt, mach dich mit den Handzeichen für Radfahrer im Strassenverkehr vertraut. Andere Verkehrsteilnehmer und deine Sportkameradinnen und Kameraden sind dir dankbar, wenn du die Zeichen bei späteren Gruppenfahrten kennst und entsprechend weitergibst.

#Tipp 6

Nimm auf deine erste Ausfahrt eine Person mit, die schon länger fährt und dich unterstützen kann. Fahre vorausschauend und achte auf mögliche Hindernisse im Strassenverkehr. Fährst du auf eine Ampel zu, schalte vorne auf das kleine Blatt und wähle hinten ein mittleres Ritzel, so kannst du flüssig anfahren, wenn die Ampel wieder auf Grün springt.

#Tipp 7

Denk daran regelmässig zu trinken. Du wirst schwitzen und durch den Fahrtwind möglicherweise nicht merken, wie viel Flüssigkeit du wirklich verlierst. Eine Trinkflasche dabei zu haben ist ein Muss. Wasser ist an dieser Stelle vollkommen ausreichend. Isotonische Getränke empfehle ich für die erste Ausfahrt nicht. Es sei denn, du kennst dich da schon etwas besser aus.

#Tipp 8

Damit dich der Hungerast nicht erwischt, packe am besten zum Getränk auch gleich einen Riegel oder eine Banane ein. Und nein, du musst zum Essen und Trinken nicht weiterfahren. Es ist vollkommen in Ordnung am Strassenrand anzuhalten, kurz zu verschnaufen und etwas zu dir zu nehmen. Fahren und essen oder trinken kannst du später üben.

#Tipp 9

Lass dich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen. Die Strasse gehört allen. Auch den Radsportanfängern. Solange du dich korrekt verhältst, kann dir niemand etwas. Übrigens finde ich es vollkommen in Ordnung, wenn mal was schief geht. Auch Autofahrer würgen ihre Autos gelegentlich beim Anfahren ab. Kopf hoch und lächeln.

#Tipp 10

Mach dir im Vorfeld nicht all zu grosse Sorgen. Es wird alles gut gehen. Sei entspannt, geniesse das Gefühl von Freiheit und die Möglichkeit, die Umgebung auf eine neue Art und Weise kennenzulernen. Und, mir persönlich ganz wichtig, grüsse entgegenkommende Radfahrerinnen und Radfahrer. Entweder mit einem kurzen Kopfnicken oder mit einem kurzen Fingerzeig oder durch einen Handzeig. Sie werden sich freuen und du freust dich bei deiner nächsten Ausfahrt, wenn dich jemand grüsst.

Ich hoffe sehr, dass dir meine zehn kurzen Tipps den Einstieg in den Rennradsport etwas erleichtern. Falls du noch Fragen hast, lass mir gerne einen Kommentar da, ich antworte dir so schnell wie möglich.

Du musst nicht spitze sein, um anzufangen. Aber du musst anfangen, um spitze zu werden.

Zig Ziglar

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