15. Mai 2020

Ein Radsportsommer, den wir erinnern werden

Er wird fantastisch, trotz allem

By In SPORT Lesezeit: 5 - 10 Minuten

Trainingslager im Ausland sind abgesagt, an Radreisen über die eigene Grenze hinaus ist noch immer nicht zu denken und Gruppenausfahrten sind nur unter Auflagen möglich. 

So ungern ich diesen Begriff inzwischen sage oder schreibe, ich tue es dennoch. COVID-19 hat uns fest im Griff, zerschlägt alle Pläne, die wir im Herbst des letzten Jahres geschmiedet und auf die wir uns so gefreut haben. Ganz ehrlich, zu Beginn des Lockdowns hier in der Schweiz war ich ordentlich down. Meine sonst so gute Laune war verflogen und ich habe mich vom ersten Tag an eingesperrt gefühlt. Beschränkt in meiner Leidenschaft für den Radsport, für das aktive Leben, das bei mir in aller Regel draussen stattfindet. In den ersten Tagen habe ich immer noch gehofft, dass bald schon alles wieder normal ist, ich zusammen mit meiner Freundin Pauline aufgeregt in Dijon am Start zum geplanten Rad Race 96Hours stehe und nach spätestens vier Tagen glücklich und mit vielen neuen Eindrücken in Koblenz ankomme. Alles Bangen und Jammern, und glaubt mir, das habe ich oft und laut getan, hat nicht geholfen. Das Rennen musste auf ein unbestimmtes Datum verschoben werden. Ich habe geheult und mich tierisch über Corona geärgert, was tatsächlich wenig geholfen hat. Also mussten neue Pläne her, um mein Frühjahr und meinen Sommer auf dem Rad zu gestalten.

Mit Kraft und Flexibilität in die neue Saison

Den ganzen Winter über habe ich schon an meiner Muskelkraft gearbeitet. Auf den vielen Skitouren hat meine Beinkraft zwar ausserordentlich zugenommen, meine Rumpf- und Armkraft aber gleichzeitig nachgelassen. Und, wie viele von uns Radfahrerinnen, gehöre ich eher zu den Frauen, die sich mit verkürzten Muskelsträngen plagen. Yoga stand, obwohl ich es immer sehr entspannend fand, nie weit oben auf meiner Prioritätenliste. Das hat sich in den letzten Monaten eindeutig verändert. Seit letztem Herbst übe ich mich mindestens zwei Mal die Woche in der Yogapraxis. Die Vorteile liegen für mich klar auf der Hand. Einerseits kann ich wunderbar meine Rumpfkraft stärken und andererseits meine verkürzten Muskeln dehnen. Je nachdem, wie ich gerade gelaunt bin, lege ich diese oder jene Einheit ein. Alles noch etwas wackelig und bestimmt nicht filmreif, aber es tut mir gut. Meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele und das ist, was zählt.

Raus, um neue Eindrücke zu sammeln

Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht schon bemerkt, dass ich in den letzten Monaten, ja eigentlich schon seit letztem Herbst, nicht mehr strikt nach einem Trainingsplan fahre. Ich geniesse es, dann zu fahren, wann ich Lust habe und dann, wenn es meine Freizeit zulässt.

Seit Kurzem fahre ich immer öfter ohne konkretes Ziel. Dabei gewinne ich auf jeder Tour so viele neue Eindrücke, wie seit einer Ewigkeit nicht mehr. Ich treffe Menschen und nehme mir die Zeit, mich mit ihnen zu unterhalten. Erst neulich habe ich dabei einen älteren Herrn kennengelernt, der sein neues E-Rennrad ausfuhr. Am Anfang habe ich ihn belächelt, dann aber wurde mir im Verlauf unseres Gesprächs klar, dass der E-Support dem Mann überhaupt erst ermöglicht, so Rennrad zu fahren, wie er es seit über 50 Jahren täglich tut. Er hat mit einer Begeisterung von seiner Leidenschaft erzählt, die meine eigene von Neuem entfacht hat. Seinen Rat, mit offenen Augen durch die Natur zu fahren und den Mut zu haben, auch mal planlos und verloren zu sein, hat mich in meiner Abenteuerlust bestärkt.

Auf zum ersten Roadtrip der Saison

Während ich diesen Blogpost für Veloine.cc schreibe, bin ich mitten in den Vorbereitungen zu meiner ersten mehrtägigen Radtour in diesem Jahr. Und, zu meiner zweiten mehrtägigen Tour überhaupt. Die Erste fand vor zwei Jahren statt und hat abrupt am zweiten Tag im Krankenhaus geendet. Mehr dazu kannst du hier lesen.

Auf diesem Trip wird alles anders, denn ich fahre mit meiner „Velosista“ Pauline und bin grundsätzlich besser vorbereitet. Die Radtour führt uns durch den Jura. Eine wunderschöne wenigbekannte hügelige Landschaft an der Grenze zu Frankreich. Wir starten in Delsberg oder Delémont, wie die Hauptstadt des Kantons auf Französisch heisst und fahren entlang des Jurabogens in Richtung Nyon. Die Route zu unserem Trip habe ich mit Komoot geplant und bei der Eingabe die Option „Fahrrad mit Schotter“ gewählt. Pauline und ich sind nämlich seit Kurzem stolze Besitzerinnen von OPEN wi.de Gravelbikes.

Für unseren Mehrtagestrip sind wir ganz gut ausgerüstet. Wir nehmen ein Zelt, zwei Isomatten, zwei der Jahreszeit entsprechende Schlafsäcke, je drei Packtaschen, einen Kocher, je eine Tasse und ein Besteckstet, sowie ein Hygieneset, Rad- und Wechselkleidung und diverse individuelle Wunschprodukte mit. Gummibärchen und die obligate Lichterkette für die abendliche Romantik im Zelt kommen noch obendrauf. Es soll eine Genusstour unter Freundinnen werden und kein Wettkampf mit der Zeit. Ich glaube, unser beider Wunsch an diesen Trip ist es, das ausgefallene RadRace 96Hours gemeinsam zu kompensieren und unsere Freundschaft zu stärken. Ich bin mir sehr sicher, Pauline ist die richtige Partnerin für solche Abenteuer. Sie ist herrlich unkompliziert, offen und wie ich, nicht auf den Mund gefallen. Pauline hat die Gabe, aus jedem negativen Moment etwas Positives zu gewinnen. Das mag ich besonders an ihr und ihren holländischen Akzent!

Was wir auf unserer Tour erleben, ich bin gespannt. Am Montag, 18. Mai starten wir und berichten von unterwegs. Wenn ihr dabei sein wollt, folgt uns auf Instagram unter @aanaakuu und @la_pau_line.

That’s how stories happen – with a turning point, an unexpected twist.- Haruki Murakami –

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