7. Juni 2016

LET THE AMBITIONS OUT

Don't call it a dream, call it a plan

By In Sport

Nachdem ich nun über ein Jahr keine Wettkämpfe mehr bestritten habe und das erste kleine Rennen am Sonntag bevorsteht, habe ich mich in der letzten Zeit intensiver mit meinen Zielen, Wünschen und Wettkampfambitionen auseinander gesetzt. Vorweg gesagt, dass ich manchmal nicht alle Tassen im Schrank habe ist mir durchaus bewusst. Dass ich mir dadurch ab und an ins eigene Fleisch schneide auch. Und dennoch kann ich allzu oft nicht aus meiner Haut. 

Die Sache mit dem mulmigen Gefühl im Vorfeld

Egal wie lang oder kurz eine Renndistanz ist, in der Woche vorher stellt sich bei mir immer ein eigenartiges Gefühl ein. Tausend Fragen schiessen mir durch den Kopf. X-mal bestätige ich mir selbst, dass ich ausreichend vorbereitet bin und mir keine Sorgen machen muss. Und doch unter die Vorfreude mischt sich eine leise Angst, mir und meinen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Ansprüche und Wettkampfziele

Die Krux ist, dass ich von Haus aus ziemlich ehrgeizig bin. Wenn ich etwas mit Leidenschaft mache und mein Herzblut in ein Projekt stecke, wird es umso schlimmer mit dem Ehrgeiz. Ich setzte mir Ziele und diese möchte ich auf Teufel komm raus auch erreichen. Nun weiss ich aber, dass das Laufen nicht gerade meine grosse Stärke ist. Nach zwei Jahren Grundlagentraining kann ich zwar Kilometer weit laufen, von Geschwindigkeit kann aber keine Rede sein. Ich bin froh, wenn ich die 5 Kilometer-Strecke vom Sonntag unter 30 Minuten hinkriege. Insgeheim habe ich mir zum Ziel gesetzt nach weniger als 25 Minuten ins Ziel zu laufen. Von den früheren 21 Minuten kann ich im Moment nur träumen.

Vielleicht, nein eigentlich weiss ich es – es ist das Jonglieren mit Zahlen und Zielzeiten, das mich ganz kirre macht.

An mein Saisonprojekt den IM 70.3 in Zell am See darf ich gar nicht erst denken. Da geht mir heute schon das Muffensausen. So lange wünsche ich mir schon über diese Distanz zu starten und damit den Grundstein für längere Wettkämpfe zu setzten. Bisher ist mir die Gesundheit im Weg gestanden. Jetzt wo ich wieder fit bin, will ich diese Saison unbedingt zum ersten Mal über die Ziellinie an einer Halbdistanz laufen. Will herausfinden ob ich sportlich wirklich so viel leisten kann und sehen ob’s noch weiter, schneller und besser geht. Mein Ziel „Irongirl“ soll in den nächsten Jahren Wirklichkeit werden! Aber auch hier, schwebt das magische Zahlenmuster über mir.

Ich möchte die Finisherline unter 7 Stunden durchlaufen. Mein Coach, Patrick Jaberg hat auf meine Nachfrage ob das ein realistisches Ziel sei wie folgt beantwortet:Mach dir keni Gedanke über Zyt!! Dr Spassfaktor isch massgäbend!!! D’Zyt ergit sich de vo allei!

Mach dir keine Gedanken über die Zeit!! Der Spassfaktor ist massgebend!!! Die Zeit ergibt sich dann von alleine!

Ein Satz der mir gefällt – mir Mut macht und mich zum Nachdenken anregt! Was ist mir denn wichtig, im Bezug auf meinen Sport?

  1. Freude an der Bewegung
  2. Körperliche Fitness
  3. Bewusste Wahrnehmung & ausloten meiner eigenen Grenzen
  4. An und mit mir selbst wachsen
  5. Den Mut haben, mich auch grossen Herausforderungen zu stellen
  6. Gesund bleiben und so lange wie möglich sportlich aktiv sein
  7. Mir sportliche Träume erfüllen können
  8. Die Ziellinie glücklich und zufrieden zu überschreiten

Schlussendlich faszinieren mich allem voran die Abwechslung und der Spass am Sport.

Wie verbissen darf es denn sein?

Eine lieb gewonnene Sportkollegin sagte neulich „Ihr Triathleten seid so verbissen – wir Biker sind da ganz anders“! Und was soll ich sagen, sie hat recht! Ich bin verbissen! Auf meine Leistungen fixiert und stinksauer auf mich selbst, wenn ich diese nicht erbringe.

Zielorientiert sein ist gut – verbissen und fixiert sein schadet, körperlich und auch auf der mentalen Ebene. Das zumindest, ist meine Erfahrung!

Zur Vorbereitung auf den xTerra Switzerland am 26. Juni bin ich nicht drumherum gekommen, mich aufs Bike zu schwingen. Biken  war bis jetzt kein Thema für mich oder höchst selten. Aber es ist durchaus etwas, das mir Spass macht. Mit meiner Geduld mit mir selbst, steht es aber auch in dieser Sportart nicht zum besten. Auf feuchtem Untergrund mache ich mir vor Angst fast in die Hose. Muss ich über lose Steine fahren, spielen sich die schlimmsten Unfälle vor meinem inneren Auge ab und Wurzeln gehen auch gar nicht! Fluchen, schreien und mich über meine eigene Unzulänglichkeit aufregen ist meine Art solche Situationen „zu meistern“. Auf die Idee, dass ich ohne ausreichende Übung nicht in der Lage sein werde, technische Passagen zu fahren komme ich von alleine überhaupt nicht! Madame „Mit dem Kopf durch die Wand“ hat die gewohnte Taktik angewendet, hart mit sich selbst sein, fluchen, schreien, nörgeln und wenn nötig stur bleiben wie Esel – irgendwie wird’s schon gehen. Jetzt nur nicht den Kopf in den Sand stecken!

Beinahe wäre mir die Lust am Biken vergangen, so dermassen habe ich mich über mich selbst geärgert.

Es ist nicht schlimm, etwas nicht zu können! Was man nicht kann, kann man lernen! Was man aber nicht lernen will, wird man nie können!

Der oben zitierte Satz stammt nicht von mir. Die lieb gewonnene Sportkollegin hat ihn mir mit auf den Weg gegeben und ich bin ihr sehr dankbar dafür! Er begleitet mich seit letzten Sonntag Tag für Tag und hilft mir, meine sportlichen Ambitionen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Neuen Fokus setzten – ambitioniert aber relaxed

Ich habe mir fest vorgenommen, nicht mehr so verbissen zu sein und weniger an mir selbst zu nörgeln. Also versuche ich, meine Zielzeit-Gedanken über Bord zu werfen. Ich komme dann im Ziel an, wenn ich ankomme! Wichtig dabei ist Spass zu haben. Trotzdem nehme ich mir vor ambitioniert zu sein und meine Leistungsgrenzen auszuloten. Ich will mein bestes geben und hoffe darauf am Ende zufrieden zu sein. Das Eine schliesst das Andere nicht aus, oder? Ich bin total gespannt ob’s klappt!

Schlussendlich ist Triathlon mein Hobby und auch wenn die Trainings viel Zeit in Anspruch nehmen, es gibt tausend andere tolle Dinge im Leben die man nicht missen sollte.

3 Comments
  1. Maren 8. Juni 2016

    Schön, dass du das Thema auch aufgreifst! Ich habe mir dazu vor kurzem auch Gedanken gemacht, weil ich nicht verstanden habe, wieso ich trotz „okayer“ Leistungen mit gefinishten Rennen unzufrieden war. Daraus ist ein Artikel über Ehrgeiz, Ansprüche und das Definieren von Zielen entstanden.. schau mal rein, wenn du magst: http://www.ichhasselaufen.de/2016/05/uber-ehrgeiz-versagen-und-zieldefinition.html
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, Spaß und etwas Leichtigkeit in Bezug auf die eigenen Ansprüche!
    Liebe Grüße,
    Maren

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    • Ana
      Ana 8. Juni 2016

      Liebe Maren

      Toll dein Kommentar und auch dein Bericht auf deinem eigenen Blog! Die Optionen A, B & C gefallen mir sehr gut und ich kann mir gut vorstellen, mein Problem mit meinen Leistungen und Vorstellungen davon im Hinblick auf den IM 70.3 in Zell am See so anzugehen. Ich lass dich wissen, ob es geklappt hat!!
      Liebe Grüsse
      Ana

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      • Maren 9. Juni 2016

        Oh sehr gerne, halt uns auf dem Laufenden!

        Reply

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