21. November 2019

DER RADSPORT UND ICH

Eine unendlich grosse Liebe

By In Sport

Wie schnell ein Jahr vergeht wird mir gerade so richtig bewusst. Mein letzter Blogpost ist über ein Jahr alt. Ob ich das Schreiben vermisst habe? Jein. Ich schreibe beruflich jeden Tag und da kann einen die innere Leere schon mal ausfüllen. Es gab über das ganze Jahr verteilt viele tolle Geschichten, die ich mit euch hätte teilen wollen. Aber die Worte wollten nicht fliessen wie ich es wollte. Ehrlich gesagt weiss ich auch nicht ob es jetzt klappt. 


Der Blogpost nach meinem Unfall war der letzte, den ich für unboundedgravity.ch geschrieben habe. Danach war Schicht im Schacht. Nach meiner Zwangspause habe ich mich mühselig zurück aufs Rad gekämpft und bin das ganze Jahr gefahren wie verrückt. Ich hatte so unglaublich viel Spass, habe so viele tolle Menschen kennengelernt, neue Radprojekte anstossen dürfen und neue Erfahrungen gesammelt – das ist unfassbar toll. Ich möchte euch gerne von all dem erzählen in der kommenden Zeit.

Zum Start aber geht es erstmal darum, wie ich überhaupt zu meiner grossen Leidenschaft für den Radsport gekommen bin. Denn eigentlich war dieser Blog mal ein Triathlonblog.

Frau liebt Rad oder wie das Radfahren zu meiner grossen Leidenschaft wurde

Als ich mich vor bald zehn Jahren dazu aufgerafft habe, wieder mehr Ausdauersport in mein Leben zu integrieren, musste es gleich Triathlon sein. Ich bin also an sechs Tagen die Woche gerannt, geschwommen und Rad gefahren. Habe nebenbei meine Familie versorgt und meinen Job als Angestellte in einem Kommunikationsunternehmen gemacht. Oder war es umgekehrt? Egal. Ich erinnere mich an die Tatsache, dass es ganz schön hektisch war. Als wären drei Sportarten nicht genug Pensum, musste ich immer auch noch mindestens genau so viel trainieren wie meine Sportfreundinnen ohne Familie. Ich wollte ihnen in nichts nachstehen und habe mich darüber selbst vergessen. Meine Persönlichkeit wurde immer weniger. Ich habe nach dem Grundsatz „eat, train, eat, train, sleep, repeat“ gelebt. Beinahe alles musste meinem Training untergeordnet werden.

Nach meiner letzten Triathlonhalbdistanz, vor vier Jahren, bin ich einfach zusammengebrochen – mein Körper hat funktioniert, meine Psyche nicht mehr. Ich wollte weder etwas mit der Triathlonszene noch mit den drei Sportarten zu tun haben.

Einen halben Sommer lang bin ich allem, was mit Triathlon in Verbindung stand aus dem Weg gegangen. Nach langer Zeit dann, habe ich wieder das getan, was mir ausnahmslos Spass gemacht hat. Viel Sport, klar. Allerdings nicht mehr so verbissen und durchgeplant. Das Motto war, einfach mal machen. Nach und nach habe ich zu mir selbst zurückgefunden, war wieder der Mensch, der ich vor meiner Triathlonzeit war. Mir ging es gut, privat, beruflich – ich war zufrieden. Nur eines hat mir die gesamte Zeit über gefehlt, das Radfahren. 

Immer wenn ich einen Radfahrer gesehen habe, hat mich eine leise Sehnsucht beschlichen. So lange, bis ich mich wieder auf mein Rad gesetzt habe.

Die erste Ausfahrt nach mehr als sechs Monaten Pause war unbeschreiblich. Es hat mich nicht gestört, dass ich die Pace von früher nicht halten konnte oder, mir der Anstieg auf der bekannten Bergstrecke nicht ganz so leicht viel. Den Wind im Gesicht zu spüren und wahrzunehmen, wie meine Beine fast schon automatisch in die Pedale treten, war als würde ich nach einer langen Reise zurück nach Hause kommen. Ich erinnere mich, dass ich oben anhalten musste, weil ich so ausser Puste war. Ich stand da und habe geheult. Vor Glück, vor Erleichterung und weil ich in diesem Moment verstanden habe, dass es das Radfahren war, das ich so lange vermisst habe.

Seit diesem Tag ist kaum einer vergangen, den ich nicht auf dem Rad verbringe. Dabei geht es mir heute, nicht mehr wie früher, nur um Trainingszeiten und Wettkämpfe.

Ich geniesse das Freiheitsgefühl, wenn ich fahre. Zelebriere den „Coffee & Cake-Lifestyle“, schaue mir die neusten Trends und Styles der Szene an, kombiniere Cycling-Kits mit Socken, Helmen und Brillen, sehe mir auf Social Media Bilder von anderen Rennradbegeisterten an und suche nach Inspiration. Es macht mir Spass mich in der Szene zu vernetzen. Besonders mit Frauen. Seit ich mehrheitlich auf dem Rad sitze, habe ich so viele tolle Frauen kennengelernt, die ähnlich denken wie ich. Das macht mir Mut, das Ansehen des Frauenradsports weiter voranzutreiben und mich dafür einzusetzen, dass der Zugang zu diesem Sport für Frauen weniger Vorurteilsbehaftet und leichter wird.

Rad fahren ja, gerne! Auch mal ambitioniert aber nicht verbissen. Mir ist wichtig, Raum für persönliche Begegnungen zu haben und Plauderausfahrten zu unternehmen.

Ziele kann ich ja trotzdem haben: Ich möchte die Schweiz, mein Heimatland, mit dem Rad erkunden. Am liebsten zusammen mit ein paar interessanten Mädels auf einer Bikepacking-Tour. Ich wünsche mir, bald schon auf Mallorca zu radeln und in Frankreich den MontVentoux zu bezwingen. Das Stilfser Joch begleitet mich seit letztem Dezember als Motivationsbild während meiner Einheiten auf der Rolle. Es gibt so unendlich viele Abenteuer, die ich mit meinen Rädern erleben und Geschichten, von denen ich berichten möchte. Jeder Tag ist ein neues Radkapitel. 

Willst du mit mir fahren? Nichts leichter als das! Schreib mir einfach einen Kommentar hier unter dem Blogpost oder eine Nachricht über Instagram.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: